Die Weintrauben...
03. November 2003 | 16:37
.. haben in der letzten Oktoberwoche einen wichtigen geschmacklichen Entwicklungsschritt gemacht. Waren sie Anfang Oktober noch direkt frisch, vielleicht aber etwas einfältig, danach immer subtiler und differenzierter, wurden sie jetzt schlichtweg intensiv – mit Aromakomponenten, für die wir gar keinen Begriff haben – am ehesten würde spätherbstlich passen.
All die Lesebucheintragungen mögen mit dem Durcheinander der Weingärten verwirrend klingen. Es steht aber natürlich ein System dahinter: der Wein soll von Rebsorte, Lage und dem Jahrgang geprägt sein, aber nicht von einem bestimmten Lesedatum – es sei denn das Lesedatum wird explizit am Etikett angeführt.
Um Herkunft und Jahrgang ideal zum Ausdruck zu bringen, ist es günstiger, einen Teil der Trauben zum „normalen“ Lesetermin zu ernten, ergänzt mit später gelesenen Trauben, die wie ein Gewürz wirken, dem Wein weitere Komplexität und Tiefe verleihen, für sich allein aber zu intensiv sind.
Heute, am 3. November, begrüßt uns der Tag mit strahlender Sonne. Wir glauben, dass wir bis Ende der Woche mit der Lese 2003 fertig werden. Eine Zusammenfassung bringen wir nächste Woche.
Dürften wir noch ein kleines Geheimnis verraten? Nicht nur die unterschiedlichen Lesewochen- und Tage unterscheiden sich voneinander, auch innerhalb eines Tages gibt es bedeutende Unterschiede: in kühlen Jahren beginnt die Lese meist erst am Vormittag, nachdem die Sonne die Trauben abgetrocknet hat. In einem Jahr wie 2003, in dem die Trauben richtig durchgekocht werden – mit mächtiger Beerenhaut und Kernen, fast ohne Saft, nimmt man für die leichteren Weine sehr gern den Morgentau mit. So wird früh am Morgen für einen Grünen Veltliner „Leicht&trocken“ oder „Kamptaler Terrassen“, für die die angenehme Trinkbarkeit im Vordergrund steht, gelesen, am Nachmittag für einen Käferberg oder Lamm, für die höchste Konzentration und Dichte erwünscht sind.