Rasten und kosten
09. November 2009 | 11:26
Trübes und feuchtes Herbstwetter drückt auf das Gemüt des Winzers, der seine Ernte noch nicht beendet hat. Die köstlichen Trauben warten im Weingarten auf die Ernte, während feuchter Herbstnebel und immer wieder kleine Regenschauer die Einbringung behindern.
Muße und Ruhe sind wichtige Eigenschaften, die zur qualitativen Herstellung eines Weines gehören.
Die Zeit mit dem Warten auf den richtigen Lesezeitpunkt kann mit dem Verkosten der schon vergorenen oder noch gärenden Weine verkürzt werden.
Meine Meinung: spannend und erfreulich ist das Kosten, verhängnisvoll das Trinken dieser Jungweine.
Frisch attackierend in der Nase, voll von Frucht und Hefearomen, verführerisch, so wirken diese Jungweine.
Zum Trinken bevorzuge ich aber die Weine, die in aller Ruhe ausgebaut wurden, geklärt durch natürliches Absetzen der Hefe.
Trotzdem wird es schon im Dezember den ersten Grünen Veltliner "leicht und trocken" (L+T) 2009 geben.
Der Markt verlangt es, die Kunden verlangen es, es besteht Bedarf an diesen verführerischen Weinen.
Als Winzer hat man hier 2 Seelen in seiner Brust.
Einerseits freut man sich, dass Wein verkauft wird, dass Geld für die nächsten Investitionen im Keller reinkommt, andererseits hängt das Herz an den Weinen, denen vergönnt wird, nach der Gärung auf der Hefe zu rasten und in aller Ruhe ihren Charakter zu entwickeln, bevor sie in Flaschen abgefüllt werden.
Im Moment dürfen die Weinleser rasten, dürfen schon von der heurigen Ernte kosten, richtig getrunken werden aber die reiferen, bekömmlicheren Jahrgänge.
Sobald aber ein Wind die Trauben getrocknet hat, wir die Weinlese fortgesetzt.