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Einzigartig

03. November 2009 | 14:26

Von fast allem wurde jetzt schon etwas geerntet: Grüner Veltliner, Riesling, Pinot Gris, alle Rotweinsorten außer Cabernet Franc und besonders erfreulich der Chardonnay: die gesunden Traubenteile mit satten 20° KMW, die herausgezupften eingetrockneten Beeren mit 38° KMW! ... sehr erfreulich.

Meine persönlichen Lieblingssüßweine sind übrigens gar nicht so extrem, sondern im Bereich knapp unter 30° KMW. Jenseits der 40° KMW geht der Wein schon in Richtung dickflüssig und Brotaufstrich. Da ist mir die Trinkfreudigkeit einer Beerenauslese schon lieber.

Die sehr langsame Lese hat den Vorteil, dass man vorerst von allen Sorten etwas in den Keller bringt und damit den Fortbestand des Weinguts sichert. Es ist jetzt möglich, mit der verbleibenden Ernte Risiko einzugehen und sich dem Schicksal auszusetzen.

Die sehr locker im Weingarten verbleibenden Trauben sind dem Regen, den Herbststürmen und den ersten kalten Nächten ausgesetzt, versprechen aber dann Weine voll von ausdrucksstarker Persönlichkeit.

Ersehnt wird der erste Frost und der Laubfall, der einen weiteren Beitrag zur Charakterbildung mit sich bringt. An nassen Herbsttagen errichten unsere Lesehelfer kunstvolle Trockensteinmauern, putzen die Fässer im Keller und warten, bis die Trauben wieder abgetrocknet sind. In den Sonnenfenstern können dann die schönsten Weine geerntet werden.

Der Weingarten strahlt seit kurzem in den leuchtendsten Farben – alle Schattierungen von Grün, Gelb und Rot. Auch schmeckt mittlerweile jede einzelne Beere unwiederholbar einzigartig. So wie jeder menschliche Fingerabdruck einzigartig ist, so ist auch jede einzelne Beere einzigartig und der daraus vergorene Wein wird etwas sein, das es so noch nie gegeben hat und auch nie wieder geben wird.

Letzten Endes ist der Wein die Geschichte seines Weingartens.

  • Herbstverfärbung
  • Einzigartige Beeren