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Erntebeginn im Oktober

03. Oktober 2005 | 10:26

Nach drei Wochen Sonnenschein am Stück hat uns das Schlechtwetter wieder.

Nach dem regenreichen Sommer brachte aber das herrliche Septemberwetter die Trauben zur Reifung.
Eindeutig bevorzugt sind heuer die kargen Gesteinsterrassen, wo der August-Regen wie durch ein Sieb versickern konnte.

Eine ähnliche Situation hatten wir 2004, 2005 hat aber einen signifikanten Reifevorsprung – die Trauben enthalten mehr Zucker, weniger Säure, die Geschmacksentwicklung ist phantastisch, vermutlich besser als 2003 und 2004.

Der August-Regen hat die Beeren quellen lassen – bis an die Grenzen der Dehnbarkeit. Der sensible Winzer lässt im Weingarten eine Begrünung auflaufen – in unserem Fall Leindotter/Weißklee/Rotklee - , um die Feuchtigkeit aus der Beere zu ziehen.
Die Rebe, die plötzlich Konkurrenz verspürt, holt Feuchtigkeit aus der Beere zurück, wodurch das Aufspringen der Beeren verhindert wird.
In dieser Konstellation kann die Entwicklung der Aromen noch wochenlang weiterwirken.

Beginn der Ernte

Der Beginn der Ernte erfolgt mit den Trauben für den Sektgrundwein: 50% der Trauben werden vom Rebstock entfernt – am idealen Punkt für den Sekt. Die Säure ist frisch, aber nicht aggressiv, der Zuckergehalt bringt einen leichten, aber nicht dünnen Grundwein hervor.

Die am Stock verbliebenen Trauben sehen einem langen Herbst entgegen – sonnige Tage, kalte Nächte, Regen und abtrocknender Wind sollen die Persönlichkeit dieser Trauben formen, um letzten Endes zu einer jahrgangsgeprägten, unverwechselbaren Persönlichkeit zu finden.

Unsere Lieblingssorten für den Bründlmayer Brut, die jetzt geerntet werden, sind die Sorten Pinot noir, Pinot blanc, Pinot gris und Chardonnay.

Warum gerade diese Sorten?
Die Vergärung vom Sekt bringt große Mengen natürlicher Gärungskohlensäure zum Wein – dadurch entsteht ein frischer, leicht aggressiver, metallischer Beitrag. Es ist für den Weintrinker angenehmer, wenn diesem Frischecharakter ein warmer, umhüllender, unaggressiver Grundwein gegenüber steht. Dadurch entsteht Komplexität und Harmonie aus dieser Spannung, Trinkvergnügen und – nicht zuletzt - ein gesunder Magen am nächsten Tag.

  • Begrünung zwischen den Zeilen
  • Lösswand